Wölfe halten auch im Lockdown zusammen

01. Dez 2020

Handball: Kurz bevor die Saison für die Handball-Region (HR) Göllheim/Eisenberg/Asselheim/Kindenheim Anfang November hätte starten sollen, schlug die zweite Pandemie-Welle zu. Der Rundenstart wurde auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Eine schwierige Zeit für die Nordpfälzer Wölfe.

Rheinpfalz 01.12.2020

Nein, es ist keine einfache Zeit, die das Coronavirus den Handballern aktuell beschert. Sina Graf, Trainerin der ersten Damenmannschaft der HR, bringt es einfach, aber ziemlich deutlich auf den Punkt: „Wir vermissen den Handball!“ Mehr als abwarten, wohin die Reise geht, ist aktuell nicht möglich. Training in der Halle ist verboten, Treffen mit den Mannschaftskameradinnen sind ebenfalls nicht möglich.

Was bleibt, ist – ähnlich wie im Frühjahr, als die vergangene Saison abgebrochen wurde –, das eigenständige Fithalten sowie die neuen Medien. „Die meisten Spielerinnen gehen regelmäßig joggen. Das ist gut und erhält die Fitness, ersetzt aber kein Training in der Halle“, meint Graf, die wieder auf eine Fitnessapp zurückgreift, bei der die Spielerinnen Aufgaben erfüllen müssen. Einmal die Woche findet ein virtuelles Treffen vor dem Computer, Laptop oder Tablet statt. „Die Idee ist, dass jede Spielerin einmal wöchentlich eine Übung vorstellt und diese verbunden mit einem Wettbewerbscharakter von allen in den Tagen darauf ausgeführt wird“, verrät Graf, die seit der erzwungenen Trainingspause versucht, mit allen Spielerinnen Kontakt zu halten.

Vorfreude getrübt Wann der Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist derzeit noch nicht abzusehen. Frühestens Anfang Januar 2021 scheint ein realistisches Szenario zu sein. Dann könnte wenigstens eine einfache Spielrunde durchgeführt werden. Für Sina Graf wäre das allerdings keine allzu gute Lösung. „Wenn wir wieder spielen dürfen, sollten wir auch wieder spielen. Allerdings dürfte es kaum gleiche Voraussetzungen für alle Mannschaften geben“, mutmaßt die Übungsleiterin. Ihre Idee wäre, dass Spiele stattfinden, diese aber nicht in Form einer Meisterrunde gewertet werden. Im Endeffekt würde die Saison dann nicht gewertet werden, es würde weder Auf- noch Absteiger geben. „Ich weiß, dass das im Hinblick auf die höheren Spielklassen nur schwer umzusetzen wäre, aber ich bezweifele, dass wir eine faire Saison hinbekommen werden.“

Auch für die Herrenmannschaft, die beim Saisonabbruch im März in der A-Klasse den Aufstieg in die Verbandsliga nur knapp verpasst hatte, war der erneute Lockdown ein Stimmungskiller. „Wir waren in positiver Anspannung und in Vorfreude auf den Wettkampfbetrieb, hatten sozusagen ein emotionales Hoch“, verrät HR-Trainer Johannes Finck. Dass diese Freude mit dem Trainingsverbot nicht aufrechtzuerhalten ist, weiß Finck nur allzu gut: „Gerade im Hinblick auf die allgemeine Verunsicherung wegen der Pandemie haben wir uns entschlossen, den ganzen Sportbetrieb so zu behandeln, als stünden wir am Ende einer Saison.“

Kontakt halten Für die Mannschaft heißt das, dass sie Abstand vom Handball gewinnen und sich voll und ganz auf Schule, Studium oder Beruf konzentrieren kann. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Kontakt innerhalb des Teams komplett abgebrochen ist. Gemeinsame Teambesprechungen über die neuen Medien haben sich mittlerweile etabliert. „Wir Trainer bleiben natürlich mit den Jungs in Kontakt“, bestätigt Finck, der den Erhalt der Fitness in der Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen sieht.

Auf einer Onlineplattform stellt der Übungsleiter jedenfalls ausreichend Übungsmaterial zur Verfügung, aus dem die Mannschaft wählen kann. Da sich kurzfristig nichts an der derzeitigen Situation ändern wird, werden die Wölfe ihre Onlinebesprechungen auch im Weihnachtsmonat beibehalten. „Im Jugendbereich halten die Trainer ebenfalls Kontakt zu ihren Mannschaften“, berichtet Finck und ergänzt: „Das ist wichtig, um zu zeigen, dass die Wölfe zusammenhalten – gerade auch, weil die gemeinsamen Weihnachtsfeiern ausfallen müssen“.

Zusammenhalt und Spaß Marc Hinkel, Trainer der zweiten Damenmannschaft, sieht die aktuelle Lage sehr differenziert. „Als Handballer will man spielen. Als Handballer will man am Wochenende in der Halle sein“, sagt er das, was auch viele andere Sportler denken. Im selben Atemzug hinterfragt er aber auch den Sinn, in dieser Situation unbedingt eine Saison spielen zu müssen: „Wir spielen in der A-Klasse, das ist kein Leistungssport. Da wäre es schon vernünftig, diese Spielzeit komplett auszusetzen und, wenn es erlaubt ist, nur zu trainieren. Spiele gegen andere Mannschaften müssen da nicht unbedingt sein“.

In seinem Team spielen einige Mütter, die auch ihrer Familie gegenüber eine Verantwortung haben, so der Trainer. Gerade weil der Fokus in der zweiten Damenmannschaft mehr auf der Gemeinschaft, dem Zusammenhalt und dem gemeinsamen Spaßhaben liegt, brauche man während der Pandemie nicht unbedingt den Wettbewerb. Aus diesem Grund ist die Trainingspause auch für die Damen 2 sehr schmerzhaft. „In unserer Whatsapp-Gruppe geht es ziemlich rund. Da merkt man erst, wie sehr sich die Mädels vermissen“, meint Hinkel, der allerdings auch befürchtet, dass die eine oder andere Spielerin dem Handball verloren gehen könnte: „Diese Befürchtung habe ich. Einige vermissen zwar die Gemeinschaft, genießen aber auch sehr die gewonnene Zeit mit ihrer Familie.“

Michael Hehn, Rheinpfalz vom 01.12.2020

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