„Mister Zuverlässig“ verlässt die HR

28. Jan 2021

Theo Lauermann ohne Handball kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Trotzdem beendet der Jugendtrainer der Handball-Region Göllheim/Eisenberg/Asselheim/Kindenheim mit Ablauf dieser Saison seine Laufbahn als Trainer. Ganz ohne Handballspiele geht es aber nicht.

Die vergangenen 53 Jahre ist Theo Lauermann zunächst als Spieler, dann 35 Jahre lang als Trainer seinem Handballsport treu geblieben. „Es hat einen Riesenspaß gemacht“, bilanziert der Kindenheimer. In den 60er Jahren hat Lauermann bei seinem Heimatverein TV Kindenheim angefangen, Handball zu spielen. „Das war damals eine ganz andere Zeit“, erinnert er sich. Eine handballkonforme Halle gab es nicht. Auch die heutige Spielstätte in Grünstadt war noch nicht gebaut. „In Kindenheim hatten wir eine ganz kleine Halle. Da haben wir an die Wände die Tore gemalt“, so der 64-Jährige. Die Heimspiele wurden damals noch vor den Toren Ludwigshafens, nämlich in Edigheim, ausgetragen. Heute undenkbar – ebenso wie das Aussehen der damaligen „Trikots“. „Wir hatten keine. Also haben wir weiße Unterhemden angezogen und mit Wachsmalstiften die Nummern draufgemalt.“

Nach dem Ende seiner aktiven Zeit blieb der Familienvater seiner Leidenschaft treu und wechselte vom Spielfeld auf die Bank. Als Trainer kam er nach vielen weiteren Jahren beim TV Kindenheim 1995 zum TuS Göllheim, wo er eine weibliche Mannschaft übernahm. Rückblickend für ihn auch ein Höhepunkt seiner Trainerlaufbahn. „Wir wurden drei Mal in der Oberliga Vizemeister. Das war eine klasse Zeit“, sagt Lauermann. In der damaligen Mannschaft spielte Sina Graf, die heutige Trainerin der Pfalzligamannschaft der Nordpfälzer Wölfinnen. Einige Spielerinnen, unter anderem seine Tochter Sabrina, schafften es auch in die Pfalzauswahl.

Vlado Stenzel gratuliert nach dem Spiel

Aber nicht nur mit weiblichen Mannschaften war Lauermann erfolgreich. Er trainierte vier Jahre lang die Jugendmannschaft um den heutigen Oberligaspieler Georg Ebel. Auch spätere Leistungsträger des Göllheimer Herrenhandballs wie Tim Rokita, Julian Schott oder Andreas Stark gingen durch die Lauermannsche Schule.

Theo Lauermann

Ein unvergessenes Ereignis erlebte er bei einem Spiel in Mainz, als in der Halle plötzlich Fernsehen und Presse anwesend waren. Grund war allerdings nicht das Gastspiel der Wölfe, sondern dass mit Vlado Stenzel der Trainer der deutschen Weltmeistermannschaft von 1978 in der Halle war. „Nach dem Spiel kam Vlado zu mir und hat mir zu einem guten Spiel gratuliert. Wir haben bestimmt 30 Minuten lang erzählt“, berichtet das Trainer-Urgestein.

„Es macht mir sehr viel Spaß zu sehen, wie sich ehemalige Spielerinnen und Spieler von mir entwickelt haben und ich freue mich immer wieder, wenn ich sie in den Hallen spielen sehe“, ist Lauermann stolz darauf, viele Talente gefördert zu haben. In 53 Jahren hat sich der Handball natürlich verändert. „Heute ist der Sport schneller und härter geworden. Da muss man sich anpassen und mit der Zeit gehen. Im Gegensatz zu vor vielen Jahren hat sich auch die Trainingsarbeit verändert. Man muss viel mehr Zeit und Arbeit in die Trainingsvorbereitung und Trainingspläne investieren“, sagt Lauermann.

Aber nicht nur der Sport, sondern auch die Spieler sind mittlerweile anders. Früher sei es eine Ehre gewesen, für eine Mannschaft zu spielen. Man habe mit viel Hingabe alles für die Gemeinschaft getan. „Heute haben die Kinder viel zu viel Freizeitstress. Handball, vielleicht noch Fußball und dann noch Musikunterricht oder etwas anderes. Das wird zu viel, denn so kann man nichts wirklich hundertprozentig machen“, meint der Trainer der C-Jugendmannschaft der HR. Und zuviel wurde es ihm in der vergangenen Zeit auch. Ein Grund auch, weshalb er sich aus dem Trainergeschäft zurückzieht.

Trainer mit Laptop an der Linie: „Nicht meine Welt“

„Das ganze Drumherum ist nicht mehr meins. Man braucht zu den Spielen mittlerweile einen Laptop und vieles läuft nur noch online und digital. Das ist nicht meine Welt. Außerdem bin ich gesundheitlich nicht mehr bei 100 Prozent“, nennt „Mr. Zuverlässig“, wie er bei den Wölfen schon mal genannt wird, die Gründe für sein Karriereende. Wichtig war ihm aber, dass seine C-Jugend in guten Händen sein wird. „Mit Daniel Griebe haben wir einen Nachfolger gefunden. Es war mir extrem wichtig, dass es hier einen reibungslosen Übergang gibt“, betont Lauermann, dessen Frau sich nun über etwas mehr Zeit mit ihrem Mann freuen darf.

Langweilig wird Theo Lauermann aber nicht werden. In den Nordpfälzer Hallen wird man ihn ebenso finden können, wie auch bei Spielen seiner Enkelin, die bei der HR in der C-Jugend am Ball ist. Außerdem will er sich weiterhin um die älteren Mitbürger Kindenheims kümmern. „Ich bin ein Bastler und mache für ältere Leute kleinere Arbeiten und Reparaturen im und am Haus“, verrät Lauermann.

Michael Hehn, Rheinpfalz vom 28.01.2021

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