Das Rudel hält zusammen

Handball: Saison abgebrochen, Training ausgesetzt – trotzdem stehen die Nordpfälzer Wölfe nicht still

Das Coronavirus legt seit Mitte März die Handballwelt lahm. Auch die der Handball-Region (HR) Göllheim / Eisenberg / Asselheim / Kindenheim. Statt um die letzten Punkte zu spielen, wurde die Saison abgebrochen und an Handball, wie man es kennt, ist noch lange nicht zu denken. Trotzdem steht das Geschehen bei der HR nicht still. Es wird trainiert – wenn auch nicht wie gewohnt –, und für den guten Zweck sind die Wölfe ebenfalls unterwegs.

Durch das abrupte Saisonende waren die Trainer der beiden Aktivenmannschaften der Wölfe, Sina Graf und Johannes Finck, gezwungen, zu improvisieren. „Normal wäre unsere Runde im April fertig gewesen. Daran hätte sich eine trainingsfreie Phase von vier Wochen angeschlossen. Diese haben wir jetzt vorgezogen, und die Spieler haben in dieser Zeit Abstand gewinnen können“, erklärt Finck.

Da auch aktuell noch nicht mit körperlichem Kontakt trainiert werden darf, legt Finck den Fokus auf andere Dinge, die sonst zu kurz kommen. Dazu zählt Finck Regenerationsstrategien, in denen er Leistungs- und Gesundheitsreserven sieht ebenso wie das Befassen mit Neuroathletiktraining. Mittels eines Monitoringverfahrens, bei dem die Belastungen festgehalten werden, kann sich das Trainerteam einen Überblick über den Erholungs- und Beanspruchungszustand auf emotionaler, mentaler, physischer und allgemeiner Ebene machen. „Das ist ein wichtiger Gradmesser für die Trainingssteuerung und die Belastbarkeit bei Spielen. Wenn beispielsweise ein Spieler, der sich in Prüfungsphasen befindet, in den roten Bereich abrutscht, ist er verletzungsanfälliger und kann seine Leistung nicht abrufen“, erklärt Finck, der in den vergangenen Wochen die Zeit genutzt hat, um mit seinem Team diese Themen zu vertiefen.

Im Bereich der Neuroathletik möchte Finck an der Bewegungsleistung arbeiten, um dadurch die Bewegungskoordination zu verbessern. „Dabei geht es nicht nur darum, die Bewegungsleistung als eine reine Output-Strategie des zentralen Nervensystems zu begreifen. Vielmehr spielen die Inputvorgänge als wesentlicher Bestandteil des motorischen Lernens beziehungsweise der Bewegungsoptimierung eine große Rolle. Die ablaufenden Prozesse im Gehirn und im zentralen Nervensystem rücken in den Fokus der Aufmerksamkeit“, erläutert Finck.

Dabei können viele Fragen beantwortet werden: „Welche Komponenten sind es denn eigentlich, die unsere Bewegung steuern? Wie kann man im Training gezielt Einfluss auf die bewegungssteuernden Systeme nehmen, um die Bewegungsqualität zu verbessern?“ Finck sieht darin eine Möglichkeit, in der kontaktlosen Zeit effektiv zu trainieren.

Die Spieler erhalten nacheinander zum Teil bebilderte Trainingspläne zum Trainieren verschiedener Systeme wie etwa dem visuellen.

Bei den Damen, die auch in der kommenden Saison in der Pfalzliga spielen werden, wird ebenfalls trotz Kontaktverbot zum Training gebeten. Dieses läuft etwas klassischer als bei den Herren ab. „Johanna Ebel erstellt regelmäßig als Physiotherapeutin ein Anleitungsvideo mit Übungen, die im Handballtraining eine große Rolle spielen. Aktuell sind das Übungen für Knie, Sprunggelenke, Rücken und Schultern“, berichtet Sina Graf. Dies diene schon als Grundlage für den Start der Vorbereitung, auch wenn noch niemand weiß, wann diese genau sein wird.

Kontrolliert werden die Wölfinnen von ihrer Trainerin allerdings nicht. „Die Mädels schicken mir aber schon ihre Trainingspläne. Die Kontrolle erfolgt dann, wenn wir uns wiedersehen. Da sehe ich, wer fleißig war und wer eher nicht“, so Graf. Bis dahin wird Graf noch weitere individuelle Trainingspläne erarbeiten. „Anhand der gesammelten Daten kann ich dann homogene Lauf- und Trainingsgruppen erstellen“, verrät sie.

Mit an ihrer Seite wird in der kommenden Runde als Co-Trainer Daniel Neuner sein, der auch noch bei den Herren spielt. Er war es, der die Idee der Wölfesteine hatte. Es wurde ein Aufruf gestartet, um die Nordpfälzer Wölfe in der Region nicht zu vergessen. Sina Graf erklärt die Idee dahinter: „Man bemalt einen Stein und legt den fertigen Stein irgendwo aus. Der Stein darf vom Finder behalten oder wieder neu an einem anderen Ort ausgesetzt werden. Das Ziel hierbei ist, Freude zu verbreiten! So findet man beim Joggen einen Nordpfälzer Wölfe-Pfalzstein und freut sich. Die gemalten und gefundenen Steine dürfen gerne fotografiert und bei uns über die Wölfe-App oder Wölfe-Homepage veröffentlicht werden.“

Aber nicht nur Steine, sondern auch Masken gibt es zur Zeit bei der HR. „Es wurde ein Aufruf an das Wolfsrudel gestartet. Viele Mamas, Spielerinnen, Jugendliche und Fans haben dann Masken genäht oder Material dazu gespendet“, freut sich Graf. Diese Masken, teils mit dem Logo der Wölfe, werden in Grünstadt beim Handarbeitsstudio Heissler für 7 Euro das Stück verkauft. Über 100 Masken kamen zusammen, einige wenige gibt es noch zu kaufen. Der Erlös dieser Aktion soll gespendet werden. Wohin ist noch unklar. „Sicher ist aber, dass wir das Geld an Betroffene der Corona-Krise aus dem Umfeld der HR spenden wollen“, verrät Graf.

Michael Hehn, Rheinpfalz vom 14.05.2020