Plötzlich ist der Aufstieg ein Thema

Handball: Nordpfälzer Wölfinnen spielen eine ganz starke Verbandsliga-Saison – Coach Ilic voll zufrieden

Eisenberg. Die Damen der Handball-Region (HR) Göllheim/Eisenberg/Asselheim/Kindenheim stehen nach zwölf von 22 Spielen in der Verbandsliga völlig überraschend auf einem Aufstiegsplatz. Trotz der famosen und so nicht zu erwartenden Hinrunde ist ein Aufstieg in die Pfalzliga kein Thema für das Trainerduo Sina Graf und Sasa Ilic.

Zwei Mannschaften steigen am Ende der Saison in die Pfalzliga auf. Fünf Mannschaften haben derzeit realistische Chancen – und die Nordpfälzer Wölfinnen sind mittendrin. Ebenso wie Dansenberg haben sie sechs Minuspunkte. Das ist einer weniger als die Verfolger Mundenheim, Neuhofen und Hauenstein/Rodalben. Damit konnte niemand rechnen – am wenigsten die Verantwortlichen der HR selbst.Die Saison begann nämlich denkbar schlecht. Mit Sarah Müller brach direkt vor dem Start in die neue Spielzeit eine enorm wichtige Spielerin weg. „Der Ausfall hat uns ins Rudern gebracht. Von heute auf morgen hat der Dreh-und Angelpunkt in unserem Spiel gefehlt“, erklärt Sasa Ilic. Dazu fiel auch noch Jördis Weil und bei vielen Spielen auch noch Torfrau Vanessa Eisen aus. „Jede Spielerin musste etwas an seiner Aufgabe im Team verändern. Verantwortung und Last musste neu verteilt werden“, sagt Sina Graf. Dies haben die Wölfinnen erstaunlich schnell und gut umgesetzt. Die beiden Trainer freuen sich, dass das Team dadurch noch enger zusammen gerückt sei. „Wir lassen uns auch von Rückständen nicht beirren und sind immer in der Lage, ein Spiel zu drehen. Diese Mentalität kann Gold wert sein“, lobt Ilic. Obwohl das ursprünglich ausgegebene Ziel Klassenerhalt kein Thema mehr ist, will das Trainerduo seine Mannschaft nicht unter Druck setzen, wie Coach Ilic verrät: „Es gibt keinen Grund, unsere Ziele neu zu definieren. Wir werden weiter versuchen, das Optimum herauszuholen“.

Die gute Hinrunde sei kein Anlass, sich darauf auszuruhen, sondern eher um an den noch offenen Baustellen zu arbeiten. Eine große Baustelle in den letzten Jahren war die anfällige Defensivabteilung der Wölfinnen“. Fast 25 Gegentore pro Spiel kassierte die HR in der vergangenen Saison, bisher sind es noch nicht einmal 19 Treffer. Damit stellen die Nordpfälzer die beste Abwehrreihe der Verbandsliga. „Das ist ein klarer Verdienst von Sasa. Er arbeitet mit uns stets an den Grundabläufen und erinnert uns immer wieder an ein diszipliniertes Abwehrverhalten. Er hat uns ein Schema verpasst, das zu uns passt“, lobt Graf ihren Trainerkollegen. Für Sasa Ilic ist die Defensive die Grundlage, um eine erfolgreiche Saison zu spielen. „In der Abwehr braucht es auch viel Disziplin. Dies und die Vorgaben zur Deckung hat die Mannschaft überraschend schnell umgesetzt. Dafür ein großes Kompliment“, freut sich Ilic – wohlwissend, dass zugunsten der Defensivabteilung die Offensive vernachlässigt wurde.

„Vorne leben wir noch vom Angriffsspiel der letzten Jahre“, weiß auch die Spielertrainerin, die selbst einen großen Anteil an der bisher starken Spielzeit hat. „Sina hat nach ihrer Babypause eine phänomenale Entwicklung genommen, die so nicht zu erwarten war. Sie gibt dem Team mit ihrer Erfahrung in schwierigen Situationen Halt“, erklärt Ilic, der sich aber besonders über die mannschaftliche Geschlossenheit freut: „Wir haben auf jeder Position gleichwertige Wechselmöglichkeiten“. Für die Rückrunde soll das Angriffsspiel verfeinert werden. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Alleingänge im Angriffsspiel nicht immer zum gewünschten Erfolg führen. Es fehlt teilweise an der Basis und an der nötigen Entschlossenheit“. Daran zu arbeiten, hat sich das Trainerduo für die nahe Zukunft vorgenommen. Allerdings ohne dabei die Defensive zu vernachlässigen. „Wir werden in der Rückrunde unseren Fokus sukzessive von Abwehr auf Angriff verlagern. Dies wird allerdings behutsam geschehen, denn die Abwehrarbeit wird weiterhin eine gewichtige Rolle in unserem Spiel behalten“, verdeutlicht Ilic. Wenn die Wölfinnen weiterhin eine solch rasante Entwicklung nehmen und ihre Stärken beibehalten, könnten sie doch bis zum Ende der Saison ein Wort im Kampf um einen der ersten beide Plätze mitsprechen. Richtungsweisend könnte schon das erste Spiel nach der Pause sein, wenn es gegen den direkten Konkurrenten Hauenstein/Rodalben geht. Das Hinspiel verlor die HR gegen die Südwestpfälzerinnen. Das Pokalfinale Anfang Dezember auch.

Michael Hehn, Rheinpfalz vom 21.12.2018