„Ich sehe mich als Moderator“

Interview: Ludger Heissler, neuer Vorsitzender der Nordpfälzer Wölfe, über seine Pläne für die Handball-Spielgemeinschaft

Bockenheim/Eisenberg. Seit etwas mehr als einer Woche ist Ludger Heissler Vorsitzender der Handball-Region (HR) Göllheim/Eisenberg/Asselheim/Kindenheim. Als Vorsitzender eines Sportvereins betritt der Bockenheimer Neuland, als Führungskraft in der Wirtschaft sowie als Abteilungsleiter in anderen Vereinen hat er aber schon Erfahrungen gesammelt. Michael Hehn sprach mit Heissler darüber, wie er das noch junge Konstrukt aus vier Vereinen auf ein stabiles Fundament stellen möchte.

Herr Heissler, als Vater zweier handballspielender Töchter waren Sie dem Sport bisher eher als Fan verbunden. Wie kam es dazu, dass aus dem Zuschauer der Vorsitzende der HR wurde?
Mir ist es nicht nur als Vater, sondern mittlerweile auch als Opa wichtig, dass in unserer Region weiterhin Handball angeboten werden kann. Als ich dann gefragt wurde, ob ich mir dieses Amt vorstellen kann, habe ich mir selbst die Frage gestellt, was ich dazu beitragen könnte. Daraufhin habe ich auf Basis der wenigen Informationen, die ich hatte, ein Konzept zusammengestellt. Das habe ich dem Vorstand präsentiert. Anscheinend hat es die Mitglieder dort überzeugt.

Wie sieht dieses Konzept aus?
Mir geht es darum, dass in einem Verein nicht etwas von oben nach unten diktiert wird, sondern umgekehrt. Es geht nur gemeinsam. Entscheidend sind die ganzen ehrenamtlichen Helfer in allen Bereichen des Vereins. Ihre Wünsche und Bedürfnisse sind die Basis für den gemeinsamen Erfolg. Ich möchte dabei mithelfen, diesen zu unterstützen. Dazu gehört weniger der sportliche Bereich. Hier haben wir genügend exzellente Fachkräfte. Vielmehr geht es um die organisatorischen Dinge. Es geht um Ansprechpartner, schnelle Wege und klare Strukturen. Es geht darum, den vier Vereinen, die noch relativ frisch zusammen sind, ein gemeinsames Zuhause zu bauen, in dem sich jeder wohl fühlt und gerne hin geht. Ich möchte die Leute, die sich engagieren dort unterstützen, wo sie gut sind. Aber einer alleine wird das nicht richten können. Wir brauchen ein Boot mit allen, die helfen. Dann geht es darum, mit allen in die gleiche Richtung zu paddeln. Das heißt aber nicht, dass bisher alles schlecht ist. Im Gegenteil. Viele Dinge sind richtig gut.

Wie ist Ihr erster Eindruck von der HR?
Der erste Eindruck ist sehr, sehr positiv. Ich führe gerade viele Gespräche. Das Interesse und die Motivation ist deutlich zu spüren. Es wird aber auch deutlich, dass Ansprechpartner fehlen. Mir ist es wichtig, dass ich neutral bin und jeder zu mir kommen kann, ganz egal, aus welchem Stammverein. Ich sehe mich als Moderator. Meine Stärken sind das Finden von kreativen Lösungen. Gemeinsam müssen wir Nachhaltigkeit schaffen – und da bin nach den ersten Tagen sehr optimistisch.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der HR?
Kurzfristig sollten wir ein Gebilde schaffen, in dem sich jeder wiederfindet und auch wohl fühlt. Mittel- und langfristig ist es mein Ziel, dass wir eng zusammenwachsen und uns durch Transparenz auszeichnen. Wir wollen das Interesse am Handballsport bei allen Sportlerinnen und Sportlern erhalten und bei denen wecken und Aufmerksamkeit erzeugen, die bisher mit dem Sport noch nichts zu tun haben. Wir wollen langfristig den Handballsport in der Region sichern. Die Basis dafür ist eine gute Jugendarbeit, die es uns dann ermöglicht, die Talente im Aktivenalter in unserem Verein zu halten.

Wo erwarten Sie dabei Schwierigkeiten?
Hauptsächlich darin, neue Leute zu gewinnen, die sich engagieren wollen. Es ist ja immer schwierig, Menschen für ehrenamtliche Tätigkeiten zu gewinnen. Deshalb müssen wir künftig daran arbeiten, Ideen, Wege und Lösungen zu entwickeln, anstatt ohne Konzept und nur mit Blick auf bestehende Probleme zu versuchen, jemanden von der Mitarbeit zu überzeugen. Gelingt uns das, werden wir gemeinsam viel Spaß haben. Dann können wir auch kritische Zeiten viel leichter überstehen.

Michael Hehn, Rheinpfalz vom 18.10.2018